Banken und FinTechs: Neugründungen oder Kooperationen?

Während FinTechs per Definition digitale Lösungen für den Finanzmarkt entwickeln, agieren die klassischen Banken traditionell eher konservativ. Wie kann also eine für beide Seiten profitable Zusammenarbeit aussehen? Darüber berichtet der aktuelle „Branchenkompass Banking 2017“.

Banken und FinTechs: Neugründungen oder Kooperationen?

Banken und FinTechs: Die Ausgangslage

Insgesamt 103 Führungskräfte von Banken und Kreditinstituten wurden im Rahmen der Studie über das Umfeld der Banken befragt. Ganze 69 Prozent der Teilnehmer schätzten dieses dabei als „schwierig“ ein – es bestehe großer Veränderungsbedarf am aktuellen Geschäftsmodell.

Nur, wie soll die Digitalisierung von statten gehen? Viele Banken greifen dabei zunehmend auf die Unterstützung der FinTechs zurück – und setzen auf gemeinsame Zusammenarbeit anstatt auf Übernahmen. Während 61 Prozent der befragten Entscheider bereits mit FinTechs arbeiten, planen ebenso viele zukünftige Kooperationen und suchen den Austausch mit der Start-Up-Mentalität.

Übernehmen seien hingegen „weniger verbreitet“. Die Banken suchen hingegen eindeutig die Nähe zu den digitalen FinTech-Innovatoren, heißt es weiter in der Studie. Die Banken erhoffen sich so, die Kundenerlebnisse zu verbessern sowie die Ablaufe zu verbessern und zu digitalisieren.

Eine zentrale Motivation der Banken sei außerdem die Umsatzsteigerung. Diese sei vor allem auf den Ausbau der bestehenden Wertschöpfungskette über ergänzende Produkte oder Services zurückzuführen. Allerdings sei die Entwicklung eigener Plattform attraktiver als die Platzierung des eigenen Unternehmens auf fremden Seiten – der persönliche Kontakt gehe (bei ebenso geringeren Margen) verloren.

Banken und FinTechs: Neugründungen oder Kooperationen?

Übernahmen bedeuten hohe Investitionen

„Die Großbanken ergänzen Leistungen eher selektiv, beispielsweise beim Scannen von Überweisungen per Smartphone. Zudem entwickeln diese Institute mehr selbst“, so Stefan Lamprecht, Division Director Banking vom Studien-Herausgeber Sopra Steria Consulting. Es sei inzwischen weit verbreitet, für mehr Innovationen eigene FinTechs zu gründen, wie etwa die „Digitalfabrik“ der Deutschen Bank.

Die Eigengründung sei ungefähr genauso beliebt wie die punktuelle Kooperation mit FinTechs. Deutlich weniger attraktiv sei aber der Aufkauf bestehender Tech-Unternehmen: Nur 16 Prozent der Entscheider sehen darin eine Option. Gründe für diese Zurückhaltung im Bereich der Übernahmen sei die finanzielle Belastung, die mit der Akquisition einhergehe.

Die Kooperationen gehen auf der anderen Seite mit deutlich weniger Aufwand einher, es lasse sich so ohne viel Risiko eine gewünschte Leistung ergänzen. „Es ist ungewiss, welche Produkte sich letztendlich durchsetzen und vom Kunden akzeptiert werden. Mit Kooperationen sind kurzfristige Wechsel der Anbieter und der Technologien je nach Marktentwicklung steuerbar”, folgert Lamprecht weiter.

Über die Studie

Die Ergebnisse der Studie „Branchenkompass Banking 2017“ wurden in zwei unterschiedlichen Schritten erhoben: Die Veranstalter brachten Führungskräfte von Banken zusammen und diskutierten zunächst über die wichtigen Themen der Branche. Im zweiten Schritt fand eine Online-Befragung statt, in der die Branchentrends, Herausforderungen und Strategien detaillierter befragt wurden.

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