Digitalisierung in der Immobilienfinanzierung: Die Konkurrenz aus dem Netz

Auch vor der Immobilienfinanzierung macht die  Digitalisierung nicht Halt: FinTechs drängen immer stärker auf den millionenschweren Markt. Um den Trend nicht zu verpassen, müssen Banken flexibler werden – denn die neuen Technologien bieten vor allem den Kunden viele Vorteile.

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Ob der Verkauf von altem Hab und Gut, die Suche nach Mitfahrgelegenheiten oder die Buchung des nächsten Urlaubes: Viele Lebensbereiche werden von der Digitalisierung geprägt und die „offline“ Lösungen der vergangenen Jahrzehnte scheinen kaum noch vorstellbar.

Auch im Baufinanzierungsgeschäft ist ein solch konsequentes Umdenken gefragt. Schließlich steht die Branche vor zahlreichen Herausforderungen, seien es die anhaltenden Niedrigzinsen oder die (relativ) neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie, die insgesamt die Margen drücken. Die Digitalisierung bietet hier neue Chancen.

Auf dem Vormarsch: Immobilienfinanzierung über das Internet

Über das Internet investieren tausende Anleger bereits in Projekte und Startups oder sie verleihen ihr Geld an andere Privatpersonen. Die Digitalisierung macht auch vor der Finanzbranche nicht halt und so entstehen für die Investoren neue und lukrative Kapitalanlagen.

Während sich diese auch im Bereich der Start-Up-Finanzierungen bereits durchgesetzt haben, zählt das sogenannte Crowdlending in der Immobilienfinanzierung noch zum „Neuland“. Die Digitalisierung der klassischen Bankenfinanzierung ist ein millionenschwerer Markt, den es für FinTechs umzukrempeln gilt.

Eine Bestandaufnahme

Die Digitalisierung hat in der Immobilienfinanzierung bereits erste Spuren hinterlassen. So lassen sich beispielsweise Konditionen oder Angebote über Vergleichsportale abwiegen, andere Prozesse wie etwa der Eintrag ins Grundbuch sind allerdings noch denkbar wenig „digital“.

Zwar sind FinTechs bereits im Segment der gewerblichen Finanzierung etabliert und es werden auch Konsumkredite über das Internet angeboten, doch die private Wohnungsfinanzierung wird bislang kaum über das Netz vertrieben.

Die Vorteile der Digitalisierung sind vielzählig. Prozesse werden beschleunigt und für den Kunden wird vor allem die Zeitspanne zwischen Antrag und Kreditvergabe verkürzt. Das Angebot an Immobilienfinanzierungen wird außerdem nicht nur vielfältiger, sondern Kunden können auf dem vielfältigen Markt auch schneller reagieren. Die Potenziale zur digitalen Immobilienfinanzierung sind enorm.

„Die Digitalisierung der Immobilienbranche ist ein weitreichendes Thema, welches erst am Anfang einer Entwicklung steht“, so Nicolas Jacobi, Geschäftsführer der Vermietungssoftware Immomio. „Wenn man sich ansieht, was im Ausland schon alles angeboten wird, dann sind wir in Deutschland Lichtjahre davon entfernt.“

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Wie sich die Immobilienfinanzierung verändert

Das „Institut der deutschen Wirtschaft Köln“ untersuchte in einer Studie die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Markt der Immobilienfinanzierung in Deutschland. Auf Basis von Expertengesprächen mit Repräsentanten von Banken und FinTechs wurde so ein mögliches Zukunftsszenario gezeichnet.

Demnach werden sich auch in der Immobilienfinanzierung in Zukunft immer stärkere Änderungen ergeben, die von schnelleren Prozessen und transparenteren Angeboten gezeichnet seien. Die Anbieterstruktur werde sich dennoch weniger stark verändern, da eine Markteroberung für Start-Ups schwieriger sei. Dies liege an der aufgebauten Reputation, die klassische Banken in ihrer Rolle stärken.

Das zukünftige Potenzial liege deshalb vor allem in Kooperationen: Gemeinsam mit modernen FinTech-Unternehmen können die Banken ihre Prozesse innovativer und dadurch effizienter gestalten. „Die Digitalisierung ist ein Instrument, um Effizienzpotenziale zu heben. […] Werden andererseits die Potenziale nicht genutzt, können Wettbewerber schnell vorbeiziehen“, heißt es in der Untersuchung.

Damit stehe die Bankenlandschaft insgesamt vor einem schwierigen Veränderungsprozess: „Die befragten Banken gaben unisono an, dass die Digitalisierung ein entscheidender Wettbewerbsfaktor ist. Wer dieser Ansicht auch im Handeln folgt, dürfte den Wettbewerb auch künftig erfolgreich meistern und von neuen Geschäftsmodellen profitieren.“

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